Ich weiß nicht was ihr in den Ferien
so macht. Wahrscheinlich mit Freunden abhängen (oder wie die jungen
Leute das heutzutage nennen). Ich unsoziales Wesen decke mich meist
mit einem dutzend Bücher ein und verkrieche mich irgendwo hin, meist
ins Ausland. Zum Glück fördern meine Eltern dieses Hobby (wenn auch
mit Hintergedanken), und der Osterhase brachte mir „Super Awkward“
von Beth Garrod. Im Original, also britischem Jugendslang, gewöhnt
man sich aber relativ schnell dran, wenn man regelmäßig seine Nase
in englische Literatur steckt (und wer dies nicht tut: schämt
euch!).
Natürlich ist „Super Awkward“
keine Belletristik, aber trotzdem SEHR kurzweilig, und definitiv zu
empfehlen, wenn man sich mal wieder schlecht und vom Schicksal
heimgesucht fühlt. Denn niemand lebt sein Leben so sehr nach der
„Murphys Law“ wie die 15 (einhalb!) jährige Bella Fisher. Sie verpasst
nicht nur die Party des Jahres, der 16. Geburtstag ihrer besten
Freundin Rachel, sondern muss stattdessen mit ihrer verrückten
Hippie-Esoterik Mutter und ihrer nervigen großen Schwester Jo auf
einem Campingplatz am Arsch der Welt die letzte Ferien Woche vor dem
letzten Trimester des Jahres verbringen. So weit, so schrecklich,
aber als sie dann ein Foto von ihrem Exfreund Luke geschickt bekommt,
auf dem er ein mysteriöses Mädchen küsst, ist ihre Stimmung
endgültig im Eimer. Bis sie dann völlig überraschend als
Cornflakes-Packung verkleidet ihrem Traummann über dem Weg läuft.
Alles schön und gut, doch das waren erst die ersten zwanzig Seiten
des über 400 Seitigen Jugendromans, der aber ganz anders verläuft
als die Jugendbücher á la Colleen Hoover (die defintiv nicht zu
verkennen sind, aber eben auf eine andere Weise schön). Die
überschaubaren „oooh, wie romantisch“ Momente wechselnd sich
stetig mit unzähligen Fremdschäm- und „WTF?!“-Momenten ab.
Trotz den vielen Peinlichkeiten die Bella passieren wirkt der Plot
aber nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern eher wie eine dieser
Horrorvorstellungen was passieren würde, wenn einfach ALLES schief
geht. Was es definitiv tut. Die Protagonistin hatte von der ersten
bis zur letzten Seite mein volles Mitgefühl und Verständnis, woran
aber auch ihr Charakter Schuld trägt. Bella Fisher ist vielleicht
nicht ein so krasser Nerd, wie sie sich im Klappentext selbst
beschreibt (vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein Obernerd),
aber ich kann mich sehr gut mit ihr identifizieren. Eventuell liegt
das aber auch nur daran, dass einige Dinge die ihr passiert sind,
auch mir schon (zugegebenermaßen in abgeschwächter Form) selbst
widerfahren sind. Ich denke aber, dass auch Menschen die nicht so
exzentrisch sind wie ich sich in Bella widerfinden können, weil wir
alle doch mal in der neunten Klasse waren (oder dieses wundervolle
Jahr noch irgendwann erleben).
Auch wenn irgendwann klar ist, dass
auch wenn man denkt man Bella Fisher sei ganz unten angekommen, der
Boden unter ihr erneut einbricht und sie in neue Tiefen der
menschlichen Existenz vordringt, wird es nie voraussehbar wie die
nächste Katastrophe ihren Lauf nimmt.
Ich musste mehrmals beim Lesen laut
auflachen, und ich habe mich lange nicht mehr so „normal“
gefühlt. Auch wenn ich meine Abweichungen von der Norm wirklich zu
schätzen weiß, manchmal ist es schön zu wissen, dass noch
verücktere Menschen als ich existieren (wenn auch nur fiktiv).
PS: Meine sehr belesene Tante fand das Buch ebenfalls sehr unterhaltsam, so sehr, dass sie es kurzerhand mir entwendete. Danke.

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