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Freitag, 6. April 2018

Super Awkward

Ich weiß nicht was ihr in den Ferien so macht. Wahrscheinlich mit Freunden abhängen (oder wie die jungen Leute das heutzutage nennen). Ich unsoziales Wesen decke mich meist mit einem dutzend Bücher ein und verkrieche mich irgendwo hin, meist ins Ausland. Zum Glück fördern meine Eltern dieses Hobby (wenn auch mit Hintergedanken), und der Osterhase brachte mir „Super Awkward“ von Beth Garrod. Im Original, also britischem Jugendslang, gewöhnt man sich aber relativ schnell dran, wenn man regelmäßig seine Nase in englische Literatur steckt (und wer dies nicht tut: schämt euch!).

Natürlich ist „Super Awkward“ keine Belletristik, aber trotzdem SEHR kurzweilig, und definitiv zu empfehlen, wenn man sich mal wieder schlecht und vom Schicksal heimgesucht fühlt. Denn niemand lebt sein Leben so sehr nach der „Murphys Law“ wie die 15 (einhalb!) jährige Bella Fisher. Sie verpasst nicht nur die Party des Jahres, der 16. Geburtstag ihrer besten Freundin Rachel, sondern muss stattdessen mit ihrer verrückten Hippie-Esoterik Mutter und ihrer nervigen großen Schwester Jo auf einem Campingplatz am Arsch der Welt die letzte Ferien Woche vor dem letzten Trimester des Jahres verbringen. So weit, so schrecklich, aber als sie dann ein Foto von ihrem Exfreund Luke geschickt bekommt, auf dem er ein mysteriöses Mädchen küsst, ist ihre Stimmung endgültig im Eimer. Bis sie dann völlig überraschend als Cornflakes-Packung verkleidet ihrem Traummann über dem Weg läuft. Alles schön und gut, doch das waren erst die ersten zwanzig Seiten des über 400 Seitigen Jugendromans, der aber ganz anders verläuft als die Jugendbücher á la Colleen Hoover (die defintiv nicht zu verkennen sind, aber eben auf eine andere Weise schön). Die überschaubaren „oooh, wie romantisch“ Momente wechselnd sich stetig mit unzähligen Fremdschäm- und „WTF?!“-Momenten ab. Trotz den vielen Peinlichkeiten die Bella passieren wirkt der Plot aber nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern eher wie eine dieser Horrorvorstellungen was passieren würde, wenn einfach ALLES schief geht. Was es definitiv tut. Die Protagonistin hatte von der ersten bis zur letzten Seite mein volles Mitgefühl und Verständnis, woran aber auch ihr Charakter Schuld trägt. Bella Fisher ist vielleicht nicht ein so krasser Nerd, wie sie sich im Klappentext selbst beschreibt (vielleicht bin ich aber auch einfach nur ein Obernerd), aber ich kann mich sehr gut mit ihr identifizieren. Eventuell liegt das aber auch nur daran, dass einige Dinge die ihr passiert sind, auch mir schon (zugegebenermaßen in abgeschwächter Form) selbst widerfahren sind. Ich denke aber, dass auch Menschen die nicht so exzentrisch sind wie ich sich in Bella widerfinden können, weil wir alle doch mal in der neunten Klasse waren (oder dieses wundervolle Jahr noch irgendwann erleben).
Auch wenn irgendwann klar ist, dass auch wenn man denkt man Bella Fisher sei ganz unten angekommen, der Boden unter ihr erneut einbricht und sie in neue Tiefen der menschlichen Existenz vordringt, wird es nie voraussehbar wie die nächste Katastrophe ihren Lauf nimmt.
Ich musste mehrmals beim Lesen laut auflachen, und ich habe mich lange nicht mehr so „normal“ gefühlt. Auch wenn ich meine Abweichungen von der Norm wirklich zu schätzen weiß, manchmal ist es schön zu wissen, dass noch verücktere Menschen als ich existieren (wenn auch nur fiktiv).

PS: Meine sehr belesene Tante fand das Buch ebenfalls sehr unterhaltsam, so sehr, dass sie es kurzerhand mir entwendete. Danke. 


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