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Donnerstag, 16. März 2017

Die Zeit

Mit 1.125km/h dreht sich die Erde um sich selbst.
Und wir, weil wir auf der Erde stehen, mit ihr.

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Ich schließe morgens einmal kurz die Augen, und BÄM schon ist eine halbe Stunde rum.
Ich schließe in der Schule einmal kurz die Augen, und BÄM bin ich in der Kursstufe.

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Eltern sagen oft: sie werden so schnell erwachsen.
Zeit ist relativ. 

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Bewegte Uhren gehen langsamer.
Bleiben wir immer in Bewegung und werden immer schneller, vergeht die Zeit langsamer.
Wie paradox das doch ist.

Zeit ist etwas komisches.
Die Zukunft wird so schnell Vergangenheit, ohne dass man die Gegenwart richtig genossen hat.
Wer kam überhaupt auf die Idee, so etwas wie Gegenwart zu bestimmen.
Schließlich ist sie jetzt schon vorbei.
Und jetzt. 
Da, schon wieder.

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Es ist doch gar nicht möglich im Jetzt zu leben, in etwas, das nur so kurz existiert. 
Obwohl im Vergleich zum Universum ist auch unser Leben nur einen Bruchteil existent.
Das Leben aller Menschen zusammen.
Zeit ist komisches.

Wir versuchen sie einzufangen, in kleine Geräte, auf denen wir im Endeffekt auch nur zusehen können wie sie vergeht.
Sie ist etwas so existentielles, alles dreht sich um sie. 
Und doch können wir sie manchmal vergessen. 

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Tik tak tik tak tik tak tik tak.
Sie tickt unaufhörlich weiter, selbst wenn die Uhr kaputt ist wissen wir, dass die Zeit weiter geht.
Wir können sie nicht aufbahren, so sehr wir es auch versuchen.
Mit Marmeladengläsern, Tagebüchern und Fotos.

Die Zeit vergeht.
Sie geht, wohin geht sie denn? 
Richtung Zukunft, ins Ungewisse.
Und wir müssen mit ihr gehen, mit der Zeit.
Sonst überholt sie uns.
Wer will schon überholt sein. 

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Ich will das nicht mehr, ich möchte hier verweilen.
Wer weiß was noch kommt? 

Also renne ich, renne rückwärts gegen die Zeit der Vergangenheit entgegen.
Ich renne so schnell, in der Hoffnung, die Erde möge sich verlangsamen, und mit ihr auch die Zeit.
Ich renne so schnell, wie ich noch nie gerannt bin. Immer nach Osten, immer der Sonne entgegen. 
Bis ich spüre, wie der Boden unter mir bremst.
Erschöpft lächle ich, und möchte stoppen.
Doch ich bin in einem Rausch. Ich laufe weiter, immer weiter, obwohl ich nicht will.
Die Kugel wird langsamer, ganz langsam...
Bis sie schließlich ganz zum stehen kommt.
Für einen Augenblick ist Ruhe, Feuerpause auf der gesamten Welt, alle halten inne, selbst die Zeit.
Bis sie sich wieder in Bewegung setzt.
Jetzt allerdings in die Richtung.

Ehe ich es mich versehe vergeht die Zeit wieder so schnell wie zuvor, sogar noch schneller.
Nur eben andersrum. 

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Die Mauer wird wieder erbaut, Hitler übernimmt die Macht, ich kann alles sehen, nur im Schnelldurchlauf.
Ich schließe einmal kurz die Augen und BÄM steht das Imperium Romanum noch. 
Die Ägypter, Azteken, sogar die Neandertaler erlebe ich. 
Und dann niemanden mehr. 

Das geht mir zu schnell.
Die Zeit vergeht mir zu schnell.

Es ist vorauszusehen was bald folgt.
Mit eigenen Augen werde ich Zeuge des Urknalls.
Und dann ist alles ganz schwarz. 

Schwarz wie mein Kaffee, mein Humor und meine Seele.
Vielleicht war es ja doch ganz gut.
Jetzt vergeht sie wenigstens nie wieder.
Die Zeit.

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